Geschichte

Die kinderreiche Familie, die in einem kleinen Haus von Numedalslågen auf Krutthusmoen lebte (heute Numedalsveien 26), verlor 1890 ihren Vater nach einem Unfall in den Silberminen, wo er arbeitete. Marcello war damals 12 Jahre alt. Auf Wunsch seiner Mutter begann er eine Lehre in einer Bäckerei – und schloss sie auch erfolgreich ab. 1895 zog die Familie nach Kristiania (Oslo), wo Ellen Marie, Mutter Haugen, wie sie später genannt wurde, ein kleines Milchladen in der Altstadt gründete. Sie war eine willensstarke, unternehmungslustige und begabte Frau, die sich gut um ihre Kinder kümmerte, obwohl die Ressourcen gering waren.

 

Marcello verstand schon früh, dass er die Gabe des sogenannten „Hellsehens“ hatte, aber er wusste nicht genau, wie er dieses angeborene Geschenk verwenden sollte. Er begann bei der Eisenbahn als Lokreiniger in Hamar und später in Otta. 1908 wurde er zum Heizer befördert. Im Gudbrandsdal kam Marcello mit vielen Menschen in Kontakt und hatte dort zum ersten Mal die Gelegenheit, Menschen mit seinen seltsamen Fähigkeiten, seiner spirituellen Kraft und seinem Hellsehen zu helfen. Sein Ruf verbreitete sich sehr schnell, und er wurde schließlich ein berühmter Mann im Tal.

Zu dieser Zeit kaufte Marcello ein Grundstück neben einem Flüsschen namens Mesnafossen, und baute dort ein kleines Wohnhaus, das er Svarga nannte. Es war eine halbe Stunde zu Fuß von Lillehammer entfernt, immer umgeben von einem angenehmen Zischen der Wasserfälle. Es kamen dann noch mehrere Häuser und eine kleine Kapelle dazu, die er fleißig benutzte. Wenig später errichtete er auch eine größere Kapelle, Mystica Eterna, die er täglich entweder allein oder mit Verwandten und Freunden besuchte. Das Hauptgebäude selbst wurde 1929 erbaut und im Stil stark von einem großen Raddampfer aus den USA inspiriert.

Mutter Haugen, Schwester Inga und ihre Tochter Borghild Gylder Haugaløkken führten hier jahrelang ein kleines Café, in dem Kaffee und Kuchen, Bier und Mineralwasser serviert wurden. Außerdem konnte man sowohl Tinkturen als auch Kräutermischungen von Marcello kaufen.

Im Jahr 1915 erhielt Marcello ein Grundstück für eine Hütte auf einem kleinen Bergplateau, Thokampen, unweit von Pillarguritoppen oberhalb von Otta in der Gemeinde Sel. Es war ca. 1000 qm groß, mit herrlichem Blick auf Rondane, die umliegenden Berge und die Bahnhofsstadt Otta tief im Tal. 

Marcello hatte den Bauern Bredevangen auf Thogården (am Fluss namens Otta) vor einem Unfall im Zusammenhang mit einem panisch durchgehenden Pferd gerettet. Daher das Geschenk. Die Hütte, die er dort aufbaute, nannte er Sameti. Er machte sie sofort der Öffentlichkeit zugänglich – mit einem Schlüssel neben der Tür. Tausende und Abertausende haben den Ort in allen Jahren besucht; die einheimische Bevölkerung, Touristen aus dem In- und Ausland, Schulklassen usw.; 1983 wurde das Anwesen in eine gemeinnützige Stiftung umgewandelt, woraus später „Der Verein Marcello Haugens Freunde“ wurde.

In den Jahren 1913 - 1914 hatte Marcello ein Jahr Urlaub, um nach Europa zu reisen. Nach einem Treffen mit dem Anthroposophen Rudolf Steiner wurde er nach Deutschland eingeladen und in dessen inneren Kreis aufgenommen. Marcello fühlte sich von Steiners theosophischer Lebensauffassung angezogen. Hier traf er viele Gleichgesinnte, sowohl spirituell orientierte Menschen als auch Wissenschaftler.

Marcello wurde von Steiner nach Kärnten in Österreich geschickt, um dem Dichter Michael Bauer bei der Veröffentlichung seiner neuesten Gedichtsammlung zu helfen. Diese Reise sollte für Marcello von großer Bedeutung sein. Hier lernte er die Tochter der Gräfin Pachta kennen, die in einem Schloss in Vichtenstein lebte. Marcello lebte eine Zeit lang dort und half der Familie schließlich finanziell, das Schloss als Treffpunkt für den Rosenkreuzer-Orden zu erhalten.

Gleichzeitig wurde Marcello zu einem Treffen mit Kaiser Franz Josef eingeladen. Der Kaiser war von seinen Fähigkeiten so beeindruckt, dass Marcello die Position eines persönlichen Beraters angeboten wurde. Er wurde sogar zum deutschen Generalstab nach Berlin berufen, der seine Ratschläge und Ansichten zu einem möglichen großen Konflikt in Europa hören wollte. Sein Ruhm als Wahrsager war also weithin bekannt.

Nach seiner Rückkehr nach Norwegen gab er den Beruf bei der Eisenbahn auf. Marcello wollte als Heilpraktiker und Hellseher arbeiten, durfte aber eine solche Praxis nicht realisieren, nachdem er beim König erfolglos darum ersucht hatte. 

Von einem Freund, Johan Thorvaldsen, Baumeister und Geschäftsmann, der u.a. ein großes Grundstück an der Straßenbahnschleife in der Gartenstadt Ullevål in Oslo hatte, bekam er ein Grundstück von etwa 2000 qm. Er hatte Thorvaldsen von einer Krankheit geheilt, die die Ärzte nicht erfolgreich behandeln konnten. Auf diesem Grundstück wurde 1920 dann die „Villa Arjuna“ gebaut. Marcello brachte seine Mutter in sein neues Zuhause, damit sie ihren Job in dem Milchladen aufgeben konnte.

In Arjuna gab es vom ersten Moment an lange Schlangen von Menschen, die seine Fähigkeiten in Anspruch nehmen wollten. Mit entsprechenden Behandlungen hatte er bereits in der Wohnung seiner Schwester Inga Gylder – die in einer Wohnung im Parkveien 76 im 4. Stock lebte – begonnen.

Thorvaldsen und Marcello taten sich auch bei mehreren Projekten zusammen. Unter anderem kauften sie das große Grundstück des Reeders Lindvik in Bygdøynes in Oslo.

Marcello engagierte sich auch in der Schifffahrt und gründete die Reederei Haugen-Tellefsen & Co., die von den beiden gemeinsam bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs betrieben wurde.

Schließlich wurde Marcello ein reicher Mann, aber er kümmerte sich wenig um Geld. Seine Lebensweise war einfach, mit großer Sorgfalt für seine Lieben, und er war großzügig gegenüber seinen vielen Freunden. Sowohl in Arjuna als auch in Svarga gab es große Treffen mit der Familie und Freunden.

Marcello liebte Bücher, und er las so oft er konnte, u.a. auch indische Literatur; er beherrschte mehrere Sprachen.

1920 veröffentlichte er sein erstes Buch, ein Märchen über die Schöpfung und über die Position des Menschen innerhalb dieser Schöpfung. 1923 erschien sein letztes Buch, ein kleines Buch mit dem Titel „Betraktninger over en dag“ („Betrachtungen über einen Tag“), in dem er seine Sicht auf das Leben darlegte.

Als der Krieg 1940 ausbrach, gründete Marcello eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung, um sein Eigentum und sein Kapital zu verwalten. Er zog dann endgültig nach Svarga, wo er bis zu seinem Tod am 30. Dezember 1967 lebte, was er mit großer Genauigkeit voraussagte!

Marcellos Arbeitsfähigkeit war fast unglaublich. Die Zeit in Svarga, wo er dann von 1940 bis 1967 lebte, war mit einer enormen Nachfrage der Menschen ausgefüllt: Es kamen bis zu 100 Besucher an einem Tag! Sie konnten stunden- und tagelang in der Schlange stehen, um Hilfe bei Schmerzen, Heilung und praktische Hilfe bei der Suche nach Wasser, verlorenem Eigentum sowie Rat und Unterstützung in einem breiten Spektrum zu erhalten. Das Telefon klingelte fast ununterbrochen!

Marcello Haugen ist ein Mythos geworden. Er heilte, beriet und wurde berühmt für seine übernatürliche Gabe weit über Norwegens Grenzen hinaus.

Er ist mit seiner Mutter und Schwester Inga auf dem Vestre Aker Friedhof in Oslo begraben.

Inga, Marcello und Kethe

Marcello Haugen ruht hier bei seiner Mutter Elen und seiner Schwester Inga.

Wenn Sie das Grab besuchen möchten, können Sie auf der Karte sehen, wo sich bei Vestre Aker Gravlund in Oslo das Grab befindet.

© 2020 Foreningen Marcello Haugens Venner